Chronik 1979 - 1990

1979 feierte man das 75-jährige Bestehen des Bensberger Karnevals. Willi Fritzen organisierte eine Ausstellung in der Bensberger Volksbank mit Aufnahmen aus der Zeit von 1904 bis 1979. Der Rheinisch-Bergische Kalender publizierte einen von Paul Falk verfassten Bericht zum Thema „75 Jahre Karneval in Bensberg“. Auf der Prunksitzung erschien der Elferrat in der Mode der Jahrhundertwende. In Frack und Zylinder präsentierten die Rot-Weissen ein Spitzenprogramm, bei dem auch das Kölner Dreigestirn und die Roten Funken mit mehr als hundert Mann aufzogen. 1980 wird anlässlich des Gesellschaftsabends eine neue Tradition eingeführt: Die Vereinstaufe. Neue Mitglieder, die aktiv mitwirken wollten, mussten sich nach einer einjährigen Probezeit einer feuchtfröhlichen Prüfung unterziehen.

Mit einem traurigen Ereignis begann für Rot-Weiss das Jahr 1981. Mitten in den Vorbereitungen für die närrischen Wochen verstarb am 20. Januar der langjähriger Senatspräsident Willi Engels. Den Mitgliedern fiel es schwer, in diesen Tagen ihre dem Frohsinn dienende Aufgabe zu erfüllen. Unsere Damen machten sich im Karnevalszug 1981 erstmals selbständig. Heimlich hatten sie sich Gärtnerinnen-Kostüme genäht, um so am Zug teilzunehmen. Auch wurde 1981 die Patenschaft für ein Kind in der dritten Welt übernommen.

Ein großes Problem stellte sich über die Jahre bei den Veranstaltungen im Schulzentrum ein: die Besucherzahlen gingen zurück. Ein erheblich störender Faktor waren die Betonsäulen in der Kommunikationshalle. Man rückte Tische und Stühle, doch für eine Großzahl der Besucher blieb der Blick auf die Bühne durch die Säulen stark eingeschränkt. Selbst Stammgäste mochten sich damit nicht länger abfinden und blieben den Veranstaltungen fern. Eine Lösung musste her. Paul Falk kam auf die geniale Idee, die Aula des Albertus-Magnus-Gymnasiums nicht nur für die Kindersitzungen, sondern auch für die übrigen anstehenden Veranstaltungen zu nutzen. Der von der „Grossen Bensberger“ am 13.11.1981 an den Rat der Stadt gestellte Antrag löste Proteste bei der Schulleitung, den Theaterfreunden und auch in den Reihen der Stadtverwaltung aus.

Es sah so aus, als müsse man die Idee verwerfen. So fanden auch 1982 die Karnevalssitzungen im Schulzentrum Saaler Mühle statt. Nach Aschermittwoch setzte man sich zusammen und entwickelte für die AMG-Aula einen Umbauplan. Bei der Stadt stieß man zwar auf große Skepsis, dennoch erhielt man eine Genehmigung, die Aula für eine Sitzung 1983 provisorisch und auf eigene Kosten umzubauen.

Im kommenden Jahr wurde unter einem enormen Zeitdruck der schräg ansteigende Zuschauerraum in nur 24 Stunden umgebaut. Drei große Podeste wurden in Treppenform aus Balken, Abstützmaterial und Umrandungen errichtet. Tische und Stühle wurden gestellt. Als nachts um 2 Uhr die Arbeiten abgebrochen wurden, fehlte nur noch die Saaldekoration. Diese Arbeiten wurden am kommenden Tag fortgesetzt und zogen sich bis knapp vor Veranstaltungsbeginn hin.

Als am 29. Januar 1983 die ersten Gäste die Aula betraten, war der Saal nicht wieder zu erkennen. Dort, wo wenige Stunden vorher monotone Stuhlreihen gestanden hatten, war ein festlich geschmückter Saal geschaffen worden, indem 650 Besucher Platz fanden mit optimalem Blick auf die Bühne. Auch die Vertreter des Rates und der Stadt, denen man stolz das Werk vorstellte, zeigten sich sehr überrascht. Die erste Sitzung in der AMG-Aula fand vor der Kulisse eines Marktplatzes statt. Schnell war die Skepsis gegen den Umbau der Aula gebrochen. Dennoch sollte die Bürokratie den Umbau noch ganze drei Jahre verzögern. Im selben Jahr wird Hans Vierkotten Senatspräsident.

Eine neue Gruppierung innerhalb der AMG wird bei Rot-Weiss eingeführt: der Rat. Zu den ersten Ratsherren wurden ernannt: Helmut Wolf, Willi Pollmeyer, Axel Heinke, Ludwig von den Driesch und Otto Wegge.

Auch gründete sich eine neue Gruppierung aus den Reihen der GBK: das Reitercorps. Gerd Weber, der erste Kommandant und Initiator dieses Corps, konnte Alfred Preyer, Reiner Busch, Robert Eger, Willi Neschen und Artur Ruttkowski für dieses Vorhaben begeistern. Die erste Reitstunde fand am 12. September 1983 auf dem Reiterhof Heinz Meurer in Ottoherscheid statt, der noch viele Stunden folgten um für den Karnevalszug 1984 reitmäßig gerüstet zu sein.

In der Session 1984 wurde das Veranstaltungsangebot wiederum um eine fünfte Veranstaltung erweitert. Am 22. Februar 1984 fand die erste Madämchensitzung statt. Auch damit hatte man wieder einen Volltreffer gelandet. Bürgermeisterin Helga Arp und Günther Jahn wurden zu Ehrenmitgliedern ernannt. Sie hatten sich beide im Stadtrat in hervorragender Weise für den 1984 endlich beschlossenen Umbau der Aula eingesetzt. Zum ersten Mal nahm 1984 ein Kreisstadtdreigestirn am Bensberger Zug teil. Prinz Peter Hübsch, welcher in der Schloßstadt wohnte, wollte es sich nicht nehmen lassen, den Zug durch die Straßen Bensbergs mitzuerleben. Eine weitere Attraktion war erstmals im Zug: Das Reitercorps der GBK, das durch die Reitergemeinschaft Ottoherscheid unterstützt wurde.

1985 entwickelte sich die Madämchensitzung zum „Renner der Session“. Innerhalb weniger Tage waren alle Eintrittskarten vergriffen. Viele bemühten sich vergeblich um eine Platzreservierung.

Die Prunksitzung fand in der Kulisse einer Bauernhochzeit mit Brautpaar, Trauzeugen und Brauteltern statt. Eine Gruppe aus den eigenen Reihen trat als „Wiess Häng“ mit einem Playback der Bläck Fööss auf. Sie ernteten mit ihrem Lied „Buuredanz“ - sehr passend zur Bühnenkulisse - einen Riesenapplaus und wurden immer wieder zu Zugaben aufgefordert. Zu diesem Zeitpunkt ahnte noch keiner, welches Saatkorn mit den „Wiess Häng“ aus der Ideenkiste der GBK gefallen war.

Am 9. November 1985 fand die Eröffnungsfeier der umgebauten AMG-Aula unter Regie der „Grossen Bensberger KG“ statt. Bürgermeister Krey und Stadtdirektor Fell lobten das Engagement der „Rot-Weissen“ und stellten besonders die Hartnäckigkeit heraus, mit welcher der Verein sein Ziel verfolgte und zum guten Ende geführt hatte.

Aufgrund der starken Kartennachfrage veranstaltete man erstmals im Jahr 1986 zwei Madämchensitzungen. Auf der Prunksitzung präsentierten die „Rot-Weissen“ dem anwesenden Bürgermeister Krey ein „Bensberger Dreigestirn“. Drei Damen der Gesellschaft (Inge Böcker, Jutta Lott und Gitta Berger) hatten sich mit Unterstützung des Reitercorps diesen Spaß ausgedacht und die entsprechenden Kostüme angelegt.

Der Karnevalssonntag zeigt sich von seiner kältesten Seite, wodurch der Zug mit Verspätung starten konnte. Bei Minustemperaturen von 16ºC zeigten sich vor allem bei der Technik Probleme. Die Grosse Bensberger nahm mit drei Festwagen, dem Tanzcorps, einer Fußgruppe, einer rollenden Bierbude, einem zweispännigen Pferdewagen mit dem „Weiblichen Dreigestirn“ und dem Reitercorps am Zug teil und bildete eine eigene Abteilung.

Trotz der extremen Kälte läuft der Zug problemlos durch die Strassen Bensbergs. Lediglich die rollende Bierbude, aus der man „Gratis-Kölsch“ an das närrische Publikum ausschenken wollte, war restlos „eingefroren“.

Heinrich Kraus verstarb am 14. Juni 1986.

Für die Ostertage hatte man erstmals eine einwöchige Reise an die spanische Costa Brava nach Tossa de Mar geplant und durchgeführt. Diejenigen, die es nicht in die spanische Sonne zog, hatten die Gelegenheit, im Oktober an einer Reise nach Berlin teilzunehmen.

Nach Karneval griff man wieder ein nicht neues Diskussionsthema auf, nämlich den Bensberger und den zeitgleich laufenden Bergisch Gladbacher Zug zu entflechten. Hierbei kam der Vorschlag auf, den Bensberger Zug auf den Rosenmontag zu verlegen. Dieser Vorschlag löste beim Reitercorps große Proteste aus. Es hätte zur Folge gehabt, dass diesem Corps keine Pferde zur Verfügung gestanden hätten, denn die vom Reitercorps (RC) genutzten Pferde gingen am Rosenmontag im Kölner Zug. Noch bevor man zu einem endgültigen Ergebnis kam, traten vier Mitglieder des RC aus der Gesellschaft aus, was das Ende für dieses Corps bedeutete. Wie sich wenig später herausstellte eine bedauerliche voreilige Entscheidung. Auch 1987 bleibt alles beim alten.

In der Session 1987 trat die Tanzgruppe von Rot-Weiss im „WWF-Club“ des WDR-Regionalfernsehens auf. Bereits zwei Jahre zuvor durften sie in der Sendung „Mittwochs in ...“ ihr Können beweisen.

Am Rosenmontag fuhr ein Sonderbus der „Rot-Weissen“ nach Köln. Am Zugweg vor dem Dom hatte man die erste Etage eines Restaurants gemietet, um in fröhlicher Runde den närrischen Umzug der Domstadt anzusehen. Mit einer großen Lautsprecheranlage heizte Präsident Paul Falk den auf der Domplatte wartenden Menschenmassen ein. Tausende Narren schunkelten zu den närrischen Klängen und immer wieder erschallten neben dem „Kölle Alaaf“ – auch ein kräftiges „Bänsberg Alaaf“ aus unzähligen Kehlen. (WDR)  In den Sommermonaten wurden die Vorbereitungen für 1988 getroffen. Eine Menge Kleinarbeit war notwendig für die sechs Veranstaltungen des Jubiläumsjahres 1988 (die „Grosse Bensberger“ wurde 20 Jahre alt).

Im Jahre 1988 wurden darauf unter dem Motto „20 Jahre Zirkus“ in einer der Zirkuswelt nachgebildeten Bühnendekoration prächtige Sitzungen und Bälle präsentiert. Im Karnevalszug fehlte zwar das Reitercorps, doch war „Rot-Weiss“ wieder mit einer stattlichen Abordnung vertreten. Mit vier Wagen (Senat, Rat, Vorstand und Aktive) sowie zwei Fußgruppen füllten die Grossen Bensberger eine ganze Abteilung des farbenprächtigen Zuges.

In den Wochen nach Karneval bildete sich der Vorstand fast komplett um. Norbert Söntgerath (seit 1979 1. Vorsitzender) gab sein Amt an den bisherigen Geschäftsführer Jürgen Poppe ab. Als neues Mitglied des Vorstandes übernahm Mario Neuhalfen den Posten des Geschäftsführers. Ebenfalls neu in den Vorstand wurden gewählt: Uwe Giese als Organisationsleiter und Inge Lott als Schriftführerin. Norbert Söntgerath wurde von der Mitgliederversammlung zum Senatspräsidenten gewählt.

Am 19. November 1988 fand anlässlich des 20. Jubiläums der Gesellschaftsabend im festlich geschmückten Ratssaal statt. Nach dem Kostümappell stand für die „Neuen“ die Vereinstaufe an. Jeder „Neue“ hatte hier einige Aufgaben zu erfüllen, wobei „ihr“ oder „ihm“ ein Pate (ein bereits aktives Mitglied der „Grosse Bensberger") helfend zur Seite stand. Eine der Aufgaben war es, Kostümierungen zu besorgen, wie z. B.: Schlafanzug, Badeanzug, Taucherausrüstung, Feuerwehruniform, OP-Kittel. Zu einer der weiteren Aufgaben gehörte es, auf der Bensberger Polizeistation eine Auskunft einzuholen. In ihrer komischen Kostümierung wurden die Täufling nacheinander von den Beamten „Dingfest“ gemacht, da sich keiner von ihnen ausweisen konnte. Man hatte darauf geachtet, dass keiner Gelegenheit hatte, seine Ausweise mitzunehmen. Da half es auch nicht zu erklären, dass es sich hier um eine Vereinstaufe handelte. Was von den Betroffenen keiner wusste: Diese Aktion war vorher heimlich mit der Polizei abgesprochen. Erst nach ihrer Vorführung im Ratssaal (mit Handschellen aneinandergekettet) wurden die „Taufe“ und die Aufnahme in die Gesellschaft vollzogen. Mit Erhalt der Taufurkunde durften sich ab diesem Abend Klaus Böcker, Käthe Käppel, Claudia Klein, Josef Orzel, Klaus Scheler, Inge Scheuver und Reiner Busch zu den aktiven Mitgliedern bei „Rot-Weiss“ zählen.

Für den weiteren Verlauf des Abends hatten in wochenlangen Vorarbeiten die Aktiven eigens für dieses Jubiläum ein Programm einstudiert. Eine Varieté-Show mit Travestie-Einlagen sowie der Auftritt unserer „Wiess Häng“ begeisterten die anwesenden Gäste. Zum Abschluss präsentierte man den von Reiner Busch zum Jubiläum verfassten Hit „Rut-Wiess muß her, em Städtche is nix loss“. In dem Text des Liedes wurde die Entstehung von „Rot-Weiss“ beschrieben, und so manches Ereignis der letzten 20 Jahre. Mit einer anschließenden Dia-Show - kommentiert von Präsident Paul Falk - ließ man noch einmal „20 Jahre Grosse Bensberger“ Revue passieren.

1989 stand ganz unter dem Karnevalsmotto: „Wir sind alles kleine Sünderlein“. Anlass für die GBK, ein dem Thema entsprechendes Bühnenbild für die anstehenden Sitzungen zu kreieren. In stundenlanger Arbeit sägten, schraubten und malten die Aktiven von Rot-Weiss und schufen ein phantastisches Bühnenbild mit vielen Effekten. So musste es wohl nur in der Unterwelt aussehen.

Auf der diesjährigen ersten Madämchensitzung war dann auch gleich zu Beginn die Hölle los. Präsident Paul Falk kletterte - verkleidet in Teufelsgestalt, gefolgt von Hexen und Gruselgestalten - eine Strickleiter unter Blitz und Donner auf die Bühne hinab. Ein Spitzenprogramm sorgte im weiteren Verlauf für eine nicht endende höllisch gute Stimmung. Einer der Höhepunkte: die „Wiess Häng“ der Großen Bensberger. Erstmals machten sie mit einem eigenen Lied Stimmung; bei „Rut-Wiess muß her, Rut-Wies muß her...“ sangen und schunkelten die Närrinnen begeistert mit. Ebenfalls aus den eigenen Reihen: Eine Travestie-Cabaret-Show à la Mary & Gordie ließen den Saal Kopf stehen.

Im Oktober startete man wieder eine 8-tägige Reise in den sonnigen Süden. Für 30 Mitglieder von Rot-Weiss ging es erst mit dem Reisebus von Bensberg nach Maastricht in Holland und weiter mit dem Flugzeug nach Ibiza.